...wie alles begann:

alles begann in unserer Küche.

Ich wohne und arbeite in einer Alten Ziegelei in einer 3-er Wg, die küche der zentrale treff- und kommunikationspunkt. Mir war langweilig und ich konnte die sich immer wiederholenden gesprächsthemen und das lamentieren und jammern und Oberlehrerhafte verhalten meiner mitbewohnerin Tanja nicht mehr ertragen. Da ich der Situation nicht entfliehen konnte und auch nicht wollte (es ist auch meine küche) und es nicht möglich war sie auf ihr nervendes verhalten aufmerksam zu machen (sie reagiert auf jegliche ansprache die die leiseste kritik vermuten lässt, mit gekreische und noch mehr gejammer und blockt jedwede kommunikation ab.) fing ich an den Küchentisch zu bekritzeln, anzumalen. Für mich ist malen, zeichnen, kritzeln, schreiben etc. eine tiefe, entspannende meditation, eine meditation die mir half der kräftezehrenden situation zu entfliehen und das rücksichtslose verhalten von Tanja abzublocken. Meiner Meinung nach braucht sie die aufmerksamkeit und ernergie anderer da sie es nie gelernt hat ihre eigenen Kraft zu nutzen, mit sich zufrieden zu sein. Folgerichtig reagierte sie auch überaus genervt und aggressiv auf meine Tätigkeit. Das macht man nicht, ich will das nicht, das ist unhygienisch, das ist nicht schön, blablabla ........

Nun reichte es mir (es war nicht einmal ihr Tisch!), ich sagte ihr das ich ihre argumente nicht nachvollziehen kann und sie mich deshalb auch nicht interressieren worauf sie wütend die Küche verliess.
Ich bin ein friedlicher Mensch und scheue sollche konfrontationen, doch mein wunsch nach freier Entfaltung, drängte mich weiter zumalen, das angefangene zu ende zu führen.
Es folgten noch einige versuche Tanja´s den ursprünglichen zustand (aufmerksamkeit für sie) wieder herzustellen. Das entscheidende Duell fand einige Tage nach der ersten Konfrontation, am 26.02.02, statt. Sie wollte und wollte meine Meinung und Entscheidung nicht akzeptieren und hörte nicht auf zu nerven. Also griff ich zu einem Trick und holte mir die hilfe einer dritten Person. Ich sagte ihr: Jutta (meine Therapeutin, ich war zu der Zeit seit 3 Monaten in Gestalttherapeutischer Behandlung) hat gesagt, ich soll tun wozu ich lust habe und genau das tue ich jetzt und ich lasse mich nicht daran hindern.
Sieg!!! Da ist ihr nichts mehr eingefallen ............

Ich hatte mich durchgesetzt, befreit.
Auf einmal kamen Bilder und Erinnerungen aus meiner Schulzeit in mir hoch, diese situation kannte ich. Auch als Kind hatte ich das bedürfnis frei zu sein, dem grauen, langweiligen Schulalltag zu entfliehen, meine seele vor der mich erdrückenden informationsflut zu schützen. Also kritzelte ich auf den Tisch. Meine Lehrer schritten natürlich sofort ein und verboten mir das. Damals konnte ich mich nicht dursetzen.Ich beschloss alles nachzuholen, besorgte mir Schultische und fing an.
Trotz aller wiederstände (mir wurden 5000€ gestohlen ich hatte kein Geld mehr, der Vermieter kündigte uns, er wollte die Ziegelei verkaufen, meine Freundin drängte mich mir eine Job zu suchen, Geld zu verdienen) malte ich nur noch Schultische an und fühlte das es richtig war.
Zwei wochen vor beginn der Documenta, ich hatte mittlerweile 10 Tischplatten, 11 komplette Tische und 3 Stühle bemalt, las ich in einer Zeitung: 08.06.02 Eröffnung der Documenta/Kassel. Eine Idee formte sich, ein experiment: ich fahre zur Documenta, nehme meine angemalten Tische mit, eine Tafel und entsprechend viele Stühle, baue eine Schulklasse auf, lege Stifte und Farben bereit und warte was passiert ...................... so fing alles an.

M. Metz

 
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